Energienetz Elbmarsch – unser Förderverein stellt sich vor

Bürgerinitiative gegen Bürgerwindpark? – Eine Erwiderung

Unsere Arbeit zur Information und aktiven Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger der Elbmarsch läuft nun im vierten Jahr. Unsere Veranstaltungen waren immer gut besucht von Menschen, die sich informieren wollten, und denen die Themen Erneuerbare Energien, die Notwendigkeit einer raschen Energiewende, sowie eine dringend erforderliche persönliche Beteiligung möglichst vieler Menschen daran ebenso am Herzen lag und liegt wie uns. Wir betrachten uns als Fürsprecher dieser Bürgerinnen und Bürger, und wir nehmen sie als unsere Förderer wahr.

Umso mehr schmerzt es, mitzuerleben, dass sich eine nicht unerhebliche Zahl von Mitbürgerinnen und Mitbürgern erst in dem Moment an der Diskussion beteiligt, wo sie Schritte zur Energiewende in ihrer Nachbarschaft wahrnehmen. Sie sind in erster Linie durch Mangel an objektiver Information und durch Angst gesteuert, und sie äußern sich durch Drohungen, pseudo-wissenschaftliche Veröffentlichungen, die keiner Überprüfung standhalten, sie werfen den handelnden Kommunalpolitikern vor, nicht hinreichend informiert zu sein, sie wollen von allen höchst öffentlich gelaufenen Veranstaltungen und Vorgesprächen nie etwas gehört haben. Wir sehen es daher als Verpflichtung an, hier einmal ein wenig die Fakten gerade zu rücken und den Gegnern das Gespräch anzubieten. Nichts wäre fataler als eine Haltung nach dem Motto „oh heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andere an“, bezogen auf die Errichtung eines echten Bürgerwindparks in der Elbmarsch, der naturgemäß – mit dem gebotenen Abstand und allen dazu nötigen Genehmigungen, die nicht einfach so vom Himmel fallen – vor irgendjemandes Haustür entstehen würde.

Darum hier ein Abriss der Ereignisse – als Antwort auf teilweise sehr drastisch verfälschende Presseberichte.

Nachdem sich im Juni 2014 auch in der Gemeinde Tespe herumgesprochen hatte, dass es laut Entwurf zum Regionalem Raumordnungsprogramm (RROP) vom Landkreis Harburg genau zwei Teilflächen innerhalb der Samtgemeinde Elbmarsch gibt, die möglicherweise für Windkraft geeignet sind, nämlich zwischen Avendorf und Bütlingen, hat sich nun eine Bürgerinitiative formiert, die Unterschriften sammelt und die, so leid es tut, das zu sagen, den Bürgern in der Nähe dieses Gebietes erstens Angst macht, und zweitens ihnen einredet, es sei hauptsächlich negativ, einen Windpark zu haben, im besonderen an dieser Stelle. Die positiven Aspekte einer eigenen lokalen Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, die kurzen Wege, die an sich kluge Wahl des Standortes, die absolute Bürgerbeteiligung von Anfang an, werden negiert und bestritten, obwohl sie allesamt nachgewiesen sind.

Welche Argumente hat die Bürgerinitiative?

1) Es wird behauptet, es habe keine Information zu einem solchen Projekt gegeben

Tatsache ist, dass seit 2011, dem Gründungsjahr des Energienetz Elbmarsch, Bestrebungen liefen, auf dem Gebiet der Samtgemeinde etwas in Richtung Erneuerbare Energien zu erreichen. All das ist immer öffentlich und unter Einladung der Bevölkerung zur Mitwirkung und Information abgelaufen

Die örtliche Politik der Samtgemeinde hat sich 2012 in einer übergreifenden Sitzung aller Gemeinderäte und des Samtgemeinderates dafür ausgesprochen, die Energiewende, insbesondere die Förderung von Windkraft, auf dem Gebiet der Samtgemeinde voranzutreiben und aktiv zu unterstützen. Dazu wurde einstimmig ein Energiekonzept verabschiedet.

Tatsache ist auch, dass nach Bekanntwerden der Neuauflage des RROP sich 2012 bereits in mehreren Veranstaltungen, die allesamt öffentlich und jedermann zugänglich waren, und die auch von der örtlichen Politik zwar begrüßt, aber in keiner Weise parteilich behandelt wurden, Bürger der Elbmarsch zusammengefunden hatten, die gemeinsam den Versuch eines Bürgerwindparks auf dem Gebiet der Samtgemeinde wagen wollten. Diese Bürger haben jeder für sich Risikokapital in eine Gesellschaft gegeben, das – wie der Name schon sagt – komplett verloren wäre, wenn das Projekt an irgendeiner Stelle innerhalb des sehr aufwändigen Genehmigungsverfahrens scheiterte.

Jeder dieser Bürger ist bereit gewesen, 10.000€ für das Projekt auszugeben, die, wenn dann am Ende tatsächlich ein Bürgerwindpark gebaut würde, als Kapitalanteil eingerechnet würden. Alle sind aber eben auch bereit, diesen Betrag zu opfern, wenn daraus nichts wird. Diese Bereitschaft muss ja zunächst einmal aufgebracht werden, auch wenn natürlich klar ist, dass sie manchen leichter fällt als anderen. Das Geld wird im übrigen nur gebraucht, um überhaupt herauszufinden, ob ein Windpark gebaut werden kann, z.B. ist das erste, was getan werden muss, die Erstellung eines Vogelschutzgutachtens, das über ein Jahr läuft.

2) Es wird behauptet, die Beteiligten an der Windpark GmbH & Co KG würden in erster Linie in sicherer Entfernung von der geplanten Fläche wohnen

Als die Gesellschaft gegründet wurde, war vom Landkreis Harburg her neben den jetzigen Flächen Avendorf-Bütlingen noch eine Fläche nahe dem Gewerbepark in Eichholz im Gespräch. Diese Flächen waren nach Vorprüfung durch den Landkreis die einzigen, die nach Abwägung aller Punkte wie Besiedelung, Vogelschutz, Naturschutz usw. überhaupt als möglicherweise geeignet angesehen wurden. Weder die Gemeinden  noch die gegründete Gesellschaft konnten sich also hier aussuchen, wo etwas entstehen könnte.

Noch im Jahr 2013 hat sich der Landkreis Harburg entschieden, die Fläche in Eichholz wegen weiterer Einschränkungen zu streichen. Auf derartige Entscheidungen hat eine privat gegründete Gesellschaft ebenfalls keinen Einfluss.

Davon abgesehen, sind sehr wohl auch Tesper innerhalb der Gesellschaft beteiligt, was ja belegt, dass es sich nicht um einen Kreis auswärtiger Investoren handelt.

3) Die Bürgerwind GmbH & Co KG wird immer wieder mit Großkonzernen gleichgesetzt, die bundesweit über Flächenscouts Eignungsflächen für Windkraft pachten, um dann ortsansässigen Bürgern ihre Windparks „vor die Nase“ zu stellen, ohne dass irgendjemand aus der jeweiligen Gemeinde beteiligt wird.

Das Einreden, die Bürgerwind GmbH & Co KG sei so wie ein fremder Großkonzern, der in der Elbmarsch ohne Beteiliung der Bürger seine Interessen durchsetzt, ist schlichtweg absurd. Genau das Gegenteil ist hier der Fall. Auch wenn die Initiative nicht müde wird, diesen absolut unzutreffenden Vergleich anzustellen: die an der KG beteiligten Bürger sind fast alle Bürger der Elbmarsch (17 aus Drage, 17 aus Marschacht und 10 aus Tespe). Einige wenige (7)  haben hier zwar nicht ihren Wohnsitz, wohl aber ihren Arbeitsplatz.

In den Statuten der Windpark GmbH & Co. KG ist sogar festgehalten, dass die Finanzierung – und damit die Eignerschaft –  an einem Windpark in der Elbmarsch vorrangig gleichberechtigten Einwohnern der Elbmarsch obliegt. Nur dann, wenn die Elbmarscher nicht allein das nötige Kapital aufbringen können oder wollen, werden überhaupt auswärtige Investoren zugelassen.

Die Gesellschaft hat außerdem große Bemühungen unternommen, mit Landeigentümern der eventuellen Eignungsflächen ins Gespräch zu kommen, damit diese nicht ihre Flächen auswärtigen Investoren anbieten, da sonst bei entsprechender Rechtslage weder die Gemeinde Tespe noch die Samtgemeinde irgendetwas unternehmen könnten, wenn ein auswärtiger Investor – nach Recht und Gesetz, und ohne die Elbmarscher zu fragen – seine eigenen Ziele verfolgte. Dies ist glücklicherweise gelungen: Es ziehen alle an einem Strang.

4) Es wird ein Prof Dr bemüht, der immer wieder die gleiche Behauptung aufstellt, die größte Beeinträchtigung durch die Anlagen käme durch Infraschall

Es ist schon augenfällig, wenn ein ortsansässiger Bürger immer wieder mit seinem akademischen Titel zitiert wird, der ihm zweifelsohne zusteht, der ihn aber eben nicht zum ausgewiesenen Experten in Sachen Windkraft macht. Einige der Planer des Windparks, sowie eine Reihe von Befürwortern, haben ebenfalls akademische Titel erlangt, nur tragen sie diese nicht wie Brustpanzer vor sich her. Dies ist natürlich auch dem Anwohner nicht vorzuwerfen, es wird aber durch die Berichterstattung und die verteilten Flugblätter der Eindruck erweckt, als habe man einen Experten in seinen Reihen. Wenn er dies wäre, dann wäre ihm bekannt, dass die von ihm zitierten Studien keinerlei rechtliche Wirkung entfalten.

Die allgemeine Erfahrung in Bezug auf Infraschall belegt, dass dieser höchst subjektiv und sehr individuell wahrgenommen wird, sehr oft überhaupt nicht, weil dem Menschen dafür Sinnesorgane fehlen, die dazu in der Lage sind, und dass es aus diesen Gründen nicht unbedingt ein Versäumnis, sondern auch eben sehr umstritten ist, Infraschall als Gefährdungspotenzial überhaupt anzuerkennen.

Es gibt neben den hier behaupteten „Fakten“ eine Menge unwiderlegbarer Tatbestände, z.B. dass der Infraschall des Meeresrauschens und von Wellenschlag bei weitem heftiger und dauerhafter ausfällt, als die mögliche Emission aus Windkraftanlagen, trotzdem haben Menschen, die am Meer oder am Wasser wohnen oder auf ihm arbeiten, keinerlei nachgewiesene oder empfundene Erkrankungen dadurch. Genauso ist bekannt, dass sich Elefanten im Infraschall-Frequenzbereich verständigen, Menschen erkranken aber auch nicht durch regelmäßigen Kontakt mit Elefanten.

In sogenannten Doppelblindstudien wurde die Wirkung von Infraschall auf menschliche Organismen getestet, d.h. Menschen wurden entweder Infraschall ausgesetzt oder eben nicht, und es wurde ihnen aber anschließend gesagt, dass sie Infraschall ausgesetzt wurden. Die Behauptung, dass eine Gruppe von Menschen Infraschall ausgesetzt wurde, führte bei einer Reihe dieser Versuchs-personen zu Symptomen wie Unwohlsein, Schwindel etc. In Wirklichkeit waren sie aber gar nicht Infraschall ausgesetzt, die Symptome konnten also nicht durch Infraschall verursacht worden sein, sondern nur durch die Einbildung, man sei ihm ausgesetzt (sogenannter Nocebo-Effekt). Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch Hypnose.

Wir empfehlen hierzu eine Studie, die im Auftrag des Deutschen Naturschutzrings, also des Dachverbandes der Umwelt- und Naturschutzverbände, erarbeitet wurde, und die wir hier verlinkt haben:

Infraschall-Studie 04_2011 Dt Naturschutzring

Fazit: Wenn man uns einredet, dass uns etwas krank machen kann, dem wir ausgesetzt werden, dann müssen wir uns dem noch nicht einmal aussetzen: wenn wir für solches Einreden empfänglich sind, dann wird es uns weniger gut gehen. Und dabei ist immer noch nicht nachgewiesen, ob es uns überhaupt tatsächlich krank macht. Noch viel wichtiger ist, dass überhaupt nicht feststeht, ob wir überhaupt von Infraschall betroffen wären.

Mit solchen „Argumenten“ wird der Bevölkerung also in erster Linie Angst eingejagt.

5) Es wird behauptet, die geplanten Anlagen würden neben dem befürchteten Schall oder Infraschall die Anwohner durch ihren Schattenwurf beeinträchtigen. Am Anfang wurde dazu immer wieder von Schlagschatten gesprochen.

Hierbei wird nicht berücksichtigt, dass jede derartige Anlage nur dann genehmigungsfähig ist, wenn sie bestimmte Bedingungen ganzjährig erfüllt. Beginnend bei der Schall-Emission werden schon von den Planern rund um Windräder Schallkorridore ermittelt, bei denen jeweils die Grenzwerte bestimmter Geräuschentwicklung in bestimmten Abständen in dB eingetragen werden. Daraus ergibt sich dann, wo überhaupt es möglich wird, auf einer Eignungsfläche ein Windrad aufzustellen. Noch viel strenger sind die Auflagen beim Schattenwurf (sogenannten Schlagschatten gibt es nicht). Dazu ist festzuhalten, dass ein Objekt nur dann Schatten auf etwas Umliegendes wirft, wenn die Sonne relativ niedrig hinter diesem Objekt steht. Daher werden Anwohner, die in einem bestimmten Winkel südlich oder westlich von einem Windrad wohnen, schon aus Gründen der Erddrehung um die Sonne niemals Schattenwurf von diesem erhalten können, weil die Sonne ja niemals dort steht, wo sie stehen müsste, um Schatten nach Süden oder Westen zu erzeugen.

Für Schattenwurf gibt es zudem eine einfache Regel: Wenn ein Windrad an mehr als 30 Stunden im Jahr (das Jahr hat 8.760 Stunden) Schatten auf bewohnte Gebäude wirft, dann wird es automatisch abgeschaltet, denn als störend wird nicht der Schatten an sich wahrgenommen, sondern die Rotationsbewegung des Rotors als Schatten. Für die geplante Fläche könnte es eventuell sein, dass eines von maximal 6 möglichen Windrädern auf dieser Fläche so stünde, dass es an wenigen Tagen im März bzw Oktober wegen niedrig stehender Sonne morgens früh bzw am späten Nachmittag einige Minuten abgeschaltet werden müsste. So etwas geschieht automatisch.

6) Es wird behauptet, die Errichtung von Windkraftanlagen führe unweigerlich zu einer Beeinträchtigung der Wohnqualität sowie zu einem Wertverlust für Grundstücke in der Nähe dieser Anlagen.

Sicher, man sieht diese Windräder schon von weitem. Ansonsten wird da aber ziemlich viel hineingedeutet. Aus einer Entfernung von 1.000 Metern sollte es sogar einem geübten Beobachter schwer fallen, Höhenunterschiede der beschriebenen Größenordnung 80 Meter, 150 Meter und 200 Meter (das sind die Höhen Windkraft Artlenburg, Kraftwerk Krümmel, geplanter Windpark) genau zuzuordnen. Macht es aber wirklich einen so gewaltigen Unterschied, wenn die Windenergieanlagen eigentlich für fast alle Betrachter die allermeiste Zeit ihres Tages gar nicht in Hauptblickrichtung liegen?

Zum Thema Beeinträchtigung der Wohnqualität: Das einzige Gebäude, das einen Elbmarscher wegen seines echten Gefährdungspotenzials stören und beeinträchtigen sollte, ist das Kraftwerk Krümmel mit seinem 150 Meter hohen Schornstein und seinem danebenliegenden Atommüll-Zwischenlager. Hier, und nur hier, liegt die latente Bedrohung für die Elbmarsch. Es ist genauso möglich, diesem Industriedenkmal den Windpark als einen positiven Gegenpol mit Windrädern der 3 MW-Klasse gegenüberzustellen, und dies als Bereicherung zu erkennen. Viele in der Elbmarsch wären stolz, wenn sie damit dokumentieren könnten: Wir Elbmarscher haben nicht nur gefordert, dass Atomkraft vom Netz geht, sondern wir leisten mit unseren Windrädern einen Beitrag dazu, dass wir eigene Energieversorgung auf eigenem Grund aus regenerativen Quellen haben. Wir reden nicht davon, dass andere irgendwo, womöglich draußen auf dem Meer, wo die Risiken und Folgeprobleme ganz andere sind, eine Lösung für uns finden, sondern wir werden selber aktiv. Leider ist es aber aus technischen Gründen nicht möglich, alle Befürworter in die Nachbarschaft der Windräder umzusiedeln, genausowenig, wie man alle Investoren dorthin verpflanzen kann. Aber: Umgekehrt wird ein Schuh draus! Natürlich kann ich stolz sein, wenn ein Beitrag zur Energiewende in meiner Nähe, möglicherweise sogar noch mit meiner finanziellen Beteiligung, entstanden ist.

7) Es wird behauptet, einige wenige stecken sich die Taschen voll, und alle anderen haben nichts davon.

Es ist sicher so, dass solche Anlagen rentabel zu betreiben sind. Es ist auch so, dass man damit die Kosten der Energieerzeugung und damit die Kosten, die jeder Haushalt für seinen Strom bezahlt, senken kann. Nur eins wird man mit einem Windpark in der Elbmarsch eben nicht: reich!

Jeder, der sich als Anteilseigner an einem Windpark mit Kapital beteiligt, wird in den ersten paar Jahren wenig bis keine Zinsen bekommen, ab ungefähr dem 7. bis 10. Jahr gibt es Zinsen, und Anlagen dieser Art haben eine Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren. Danach werden sie entweder abgebaut oder erneuert (Repowering), die Erneuerung könnte von den Zinsen abgezogen werden, dann müsste viel weniger neu investiert werden. Und eins bleibt immer gültig: es wird günstig lokal Strom erzeugt, der sauber ist.

Es gibt viele Menschen, die eine lohnende Kapitalanlage suchen, seit es bei Banken keine Zinsen mehr gibt. Eine Kapitalanlage in einem Windpark, der meinen eigenen Strom mit produziert, ist da eine sehr naheliegende Idee.

Fazit: Selbstverständlich kann man das Thema Windkraft kontrovers diskutieren. Allerdings wäre es hilfreich, sich hinreichend kundig zu machen, ein Umstand, den die Windkraftgegner den Kommunalpolitikern zum Vorwurf machen wollen, ohne dass sie sich selber umfassend informiert haben. Selbstverständlich kann man Bedenken äußern und Ängste haben. Es ergibt aber überhaupt keinen Sinn, wenn man lediglich diese Bedenken und Ängste äußert, sich in den Zustand hineinsteigert, Argumente ablehnt, auch wenn sie fundiert sind, und sich des Themas dann in sozialen Netzwerken wie facebook annimmt. Facebook ist der „Erfinder“ des flashmob, und von dem ist es nicht weit zur Selbstjustiz. Objektive Information ist dort nicht das primäre Ziel, sondern allenfalls ein zufällig mögliches Ergebnis, aber ein sehr unwahrscheinliches. Im Wesentlichen schreiben Menschen dort darüber, was sie denken, glauben, fühlen. Nicht darüber, was sie objektiv wissen.

Wir sollten also das Thema dahin zurückholen, wo es hingehört: auf die sachliche Ebene. Die Befürworter schlagen den Gegnern vor, ihre Argumente zu prüfen, und bieten, wie übrigens von Anfang an, die Möglichkeit einer gemeinsamen Diskussion. Das setzt dann aber voraus, dass beide Seiten zu gleichen Teilen zu Wort kommen, denn nur das ist gelebte Demokratie. Und dazu gehört eben auch, dass man sich belehren lässt, wenn ein Gegenüber die bessere Information oder die besseren Argumente hat. Genauso gehört dazu, dass auf Grundlage des Abwägens von Fakten am Ende eine Mehrheitsentscheidung stehen soll und muss, die den Zielen sowie den Notwendigkeiten, die mit einem solchen Projekt verbunden sind, Rechnung trägt. Auch das ist und bleibt eine Säule unserer Demokratie. Die Planer bieten nach wie vor allen Anwohnern eine echte Beteiligung an. Und das Energienetz regt an, die Idee eines Bürgerwindparks mit seinen neuen „Denkmälern“ als sehr guten Antwortbeitrag auf die Frage zu sehen, wie wir in den kommenden Jahren unseren Energiebedarf ausgewogen und nachhaltig decken wollen. Bei aller Kritik ist ein Windpark, auch einer in der Elbmarsch, ein Gewinn für die Region und keine Verschlechterung.