Erdgasauto

Die Qual der Wahl beim Antrieb eines Autos

Unsere Gesellschaft erfordert in hohem Maße Mobilität. Sei es  der Weg zur Arbeit, oder die Wahl des Wohnortes, das Erreichen gesellschaftlicher Aktivitäten und Veranstaltungen: eigentlich sind wir ständig gezwungen, uns mehr oder weniger weit fortzubewegen. Unser gesamtes Gesellschaftssystem ist auf Mobilität ausgelegt.

Vieles lässt sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, aber eben leider nicht alles. Wenn Verzicht nicht möglich ist und Alternativen nicht ausreichen, dann sollte die Wahl des Fortbewegungsmittels möglichst umweltfreundlich sein.

Der kleinste Schritt – ein sparsames Fahrzeug

Wenn wir einen Vergleich anstellen, dann gibt es die Möglichkeit, sich ein Auto zu suchen, das mit herkömmlichem, fossilem Brennstoff (Benzin oder Diesel) angetrieben wird und diesen möglichst sparsam verbraucht. Das erfordert eine relativ hohe Erstinvestition, wenn man gerne die neueste Technik nutzen möchte. Eines bekommt man aber dafür nicht: nämlich eine Gewähr, dass sich die Kraftstoffpreise auf einem heutigen Niveau stabilisieren. Im Gegenteil: da die Nachfrage immer noch steigt, und die Fördermöglichkeiten immer aufwändiger zu erreichen sind, ist mit deutlich weiter steigenden Kraftstoffpreisen ohne absehbares Ende fest zu rechnen. Und irgendwann wird es dann für viele Menschen unbezahlbar.

Daher ist es nur folgerichtig, nach Alternativen zu suchen.

Weitere Verbrennungsmotoren

Neben den genannten Kraftstoffen gibt es, bei verhältnismäßig geringfügiger Anpassung der bisherigen Technik, noch zwei Verbrennungsmotortypen, nämlich den Flüssiggasantrieb und den Erdgasantrieb. Etwas anders und entsprechend aufwändiger funktioniert der Wasserstoffantrieb. Da Wasserstoff im Vergleich zu den anderen Brennstoffen am wenigsten beherrschbar ist, sind hier momentan kaum serienreife Konzepte verfügbar, außerdem gibt es praktisch keine Versorgung mit dem Brennstoff.

Anders bei Flüssiggas und Erdgas. Diese Stoffe sind wesentlich besser verfügbar, und Motorkonzepte ab Werk oder als Nachrüstung (Nachrüstung vor allem beim Flüssiggasantrieb) von einer Reihe von Herstellern im Angebot. Steigende Preise der herkömmlichen Kraftstoffe haben dazu geführt, dass sich der Anteil der umgerüsteten Flüssiggasfahrzeuge stetig erhöht. Erdgasfahrzeuge sind seltener, dies gilt aber z.B. für Länder wie Italien überhaupt nicht, dort sind diese Fahrzeuge weit verbreitet.

Dabei ist Flüssiggas zwar in der Handhabung das unkompliziertere Produkt, es ist aber ein Nebenprodukt aus der Produktion von Benzin und Diesel, ist also abhängig von der Rohölverarbeitung. Auch wenn es heute noch erheblich günstiger zu haben ist als Benzin oder Diesel, entwickelt sich hier der Preis eher wie bei den herkömmlichen Brennstoffen, es gibt lediglich eine Steuerbegünstigung. Flüssiggas wird in Litern gemessen und angeboten, der Preis liegt ungefähr bei 0,78€ pro Liter (Stand September 2012), der Wirkungsgrad aber nur bei ungefähr 60-70% von Superbenzin.

Mit deutlich höherem Wirkungsgrad (=Brennwert) ist Erdgas zu haben. Erdgas wird in Kilogramm oder m³ gemessen und angeboten,  das Kilogramm kostet ungefähr 1,09€ (Stand September 2012), wobei der Preis jeweils vom regionalen Gasanbieter abhängig ist, aber oft über Monate stabil bleibt. Erdgas als Stoff kommt in der Natur vor, es gibt noch riesige Vorkommen, der Preis ist damit wesentlich stabiler, und was das Beste ist: Erdgas und Biogas sind in ihrer chemischen Zusammensetzung so ähnlich, dass zwei Aussagen gelten:

-Biogas kann als Ersatz für Erdgas verwendet werden

-Erdgas kann durch Umwandlung von CO² und Wasserstoff aus synthetisch hergestellt werden, dafür wird lediglich Strom benötigt. Und wenn man den einmal aus erneuerbaren Energien erzeugt…

Unser Erdgasauto

Aus diesem Grund haben wir seit Sommer 2012 ein Serienfahrzeug mit Erdgasantrieb im Echt-Test.

Das Fahrzeug wurde als Ersatz für einen zwar sparsamen Wagen angeschafft, der aber immer teureres Superbenzin verbrauchte.

Im direkten Vergleich mal ein paar Zahlen mit Kraftstoffpreisen Mitte September 2012

Verbrauch des Super tankenden Fahrzeugs: 6,4l/ 100 km   (*1,75€= 11,20€ auf 100 km)

Verbrauch des Erdgas tankenden Fahrzeugs: 5,4 kg/ 100 km  (*1,09€= 5,89€ auf 100 km)

Im Unterschied zu einem herkömmlichen PKW hat ein serienmäßig gebautes Erdgasfahrzeug unter dem Fahrzeugboden einen oder mehrere Drucktanks, in denen das Erdgas mit ca. 200 bar gespeichert wird. Ein Flüssiggasauto hat ebenfalls einen Drucktank, dieser speichert den Kraftstoff aber nur mit ca. 8 bar. Darum sind diese beiden Kraftstoffsysteme auch überhaupt nicht untereinander austauschbar. Und darum ist es in der Regel nicht sinnvoll, ein herkömmliches Fahrzeug auf Erdgasantrieb umzurüsten, da dafür erheblich mehr Veränderungen im Fahrzeug vorgenommen werden müssen als beim Flüssiggas.

Da die Drucktanks des Erdgasfahrzeugs verhältnismäßig viel Platz benötigen und, um druckfest zu sein, relativ dickwandig sein müssen, können sie im Vergleich zu Benzintanks weniger Kraftstsoff aufnehmen. Das bedeutet: ein Erdgasfahrzeug kann zwischen 20 und 35 kg Gas aufnehmen und hat damit eine Reichweite von 450 bis 600 km. Ein Fahrzeug mit herkömmlichem Benzintank kann zwischen 35 und 40 Litern aufnehmen und hat damit eine etwas höhere Reichweite.

Vergleichen wir die Tankfüllungen

40 Liter Super * 1,75€ = 70,00€ /6,4l auf 100 km = Reichweite 625km

Gegenrechnung: um die 555 km Reichweite des Erdgasfahrzeugs zu erreichen, wären 62,16€ erforderlich.

30 kg Gas * 1,09€ = 32,70€ /5,4kg auf 100 km = Reichweite 555km

Gegenrechnung: um 625 km Reichweite des Benzinfahrzeugs zu erreichen, müssten 33,75€ investiert werden.

Ergebnis: der Erdgasantrieb ist zum heutigen Zeitpunkt bei 48% der Verbrauchskosten eines herkömmlichen Antriebs mit Superbenzin.

Die Anschaffungskosten von etwa 2.000€ mehr als bei einem Benzinfahrzeug amortisieren sich also sehr rasch, ca. bei 20.000 km Fahrleistung. Gebraucht geht es sogar noch schneller, da hier in der Regel der Abstand in den Anschaffungskosten weniger ins Gewicht fällt.